Genetisch hornlose Rinder

Wie sich der Mensch ein genetisches Phänomen zu Nutze macht – und die Folgen.

Hörner kommen bei Rindern in allen Größen und Formen vor. Wir alle haben die Longhorns in Texas und die Hochlandrinder vor Augen, die auffallend lange Hörner tragen, und natürlich kennen wir die relativ kurzen Hörner von Schwarzbunten Holstein- Kühen, Fleckvieh, Braunvieh und Rotbunten.

Es gibt aber auch Rassen, die von Natur aus nie Hörner haben, so wie Angus oder Galloway. Daneben kam es immer schon vor, dass Tiere, die normalerweise Hörner haben sollten, ohne Hornanlagen geboren wurden. Dies wurde früher von den Landwirten als unerwünschter Defekt angesehen. Das Horn war nützlich und erwünscht – half es doch, das Joch an dem Rind zu befestigen und war somit ein wichtiges Merkmal, das bei der Arbeit auf dem Feld Unterstützung bot.

Die Herausforderung

Seitdem die Feldarbeit mit Hilfe von Traktoren und Maschinen bewältigt wird, haben die Hörner an Bedeutung verloren. Und in den letzten Jahren wurden sie sogar zusehend unerwünscht. Hornstöße führen zu Verletzung (ca. 200 Pro Jahr allein in Bayern). Der Kostendruck auf die Landwirte verlangt, dass die Laufställe intensiver genutzt und so viele Tiere wie möglich im Stall gehalten werden. Da sind Hörner im wahrsten Sinne im Weg.

Hörner zu entfernen ist zeitaufwändig für den Menschen und schmerzhaft für die Kühe, die logische Konsequenz scheint daher zu sein, hornlose Kühe zu züchten. Das klappt auch erstaunlich gut – das Gen, das Hornlosigkeit bewirkt, ist dominant und vererbt sich daher immer, wenn ein Elternteil hornlos war.

Problem gelöst?

Nein, nicht unbedingt. Die Vielfalt der Rinder wird reduziert, wenn allen Rindern die Hörner weggezüchtet werden. Außerdem wird es zunehmend schwieriger, Kühe mit Hörnern zu züchten, da die Gefahr von Inzucht bei einer immer kleineren Gruppe immer mehr zunimmt.

Wir befinden uns in einem Dilemma—wie immer, wenn der Mensch in die Natur eingreift.

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